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Stellaner im Raum Stuttgart
Gruppenbericht 05-2010
Auf Einladung ihres ehem. Schulkameraden, Hermann Zöhrlaut, trafen sich die Stuttgarter Stellaner am 11. Mai 2010 wieder in der Tübinger Innenstadt, zur traditionellen Maiandacht mit Pfarrer Hermann Benz (KSB'48) in St. Johannes. Unterstützt wurde dieser diesmal durch unseren Stellanerfreund Winfried Adler, der eine eigene kleine Andachtsliturgie zu Ehren der Gottesmutter verfasst hatte. Ihm ist es auch zu danken, dass die ehemaligen Kollegianer aus St. Blasien nach vielen Jahrzehnten erstmals wieder gemeinsam die Hymne der Stella Matutina aus Feldkirch singen konnten, ein bewegendes Ereignis! Beim anschließenden Treffen in den "Gutenberg-Stuben" konnten wir Frau Zöhrlaut begrüßen, die Mutter und Witwe unserer Stellanerfreunde aus Haigerloch -- sie hatte lange Zeit den Maiandachten fernbleiben müssen. Bei den Gesprächen unter Freunden wurden auch die drei Brüder Schockenhoff aus Ludwigsburg erwähnt: Eberhardt, der bekannte Moraltheologe in Freiburg, hatte beim Berliner Stellanerkongress vor gut 10 Jahren eine unvergessliche Festrede gehalten, sein Bruder Andreas ist heute außenpolitischer Sprecher der CDU, und Johannes wurde als Anwalt kürzlich zum Vorsitzenden der neugegründeten "Padre Pedro Stiftung" gewählt, welche die Arbeit des Priestermissionars Peter Mettenleiter (82) aus Rottweil bei den Indigenas in Guatemala unterstützen und fortführen soll. Anwesend war auch Donata Wollensak (20), eine Tochter unseres Stuttgarter Obmanns, 'Dago' Wollensak. Sie studiert heute in Tübingen und hat noch immer begeistert von ihrem einjährigen Aufenthalt in Peking berichtet, wo sie, mit anfangs nur geringen Sprachkenntnissen, dennoch in eine öffentliche Schule gehen durfte. Der Berichterstatter erwähnte seinerseits u. a. die achtzigjährigen Geburtstage des Abiturjahrgangs 1949 von St. Blasien, angefangen von Addi von Kerssenbrock SJ (in New York), Heiner Geissler (in Berlin), Klaus Dorneich (in Florida) und kürzlich auch von Franz Wernz SJ (in St. Blasien). Gratulamur -- et vivant sequentes!
Klaus Dorneich
Gruppenbericht 02-2010
Für den Februar hatten wir uns mal wieder einen familienfreundlichen Termin mit Besichtigung vorgenommen, sodass eine stattliche Anzahl Stuttgarter Stellaner den Weg nach Pforzheim gefunden hatte. Michael Schimmele hatte sich bereit erklärt, am 7.€€März, Sonntag, eine Besichtigung in der Schmuckstadt Pforzheim zu organisieren.
Unser erstes Ziel waren die "Schmuckwelten", ein Gebäudekomplex mit Ausstellungs- und Schauräumen der Pforzheimer Schmuckhersteller und einem Museum zum Thema Schmuck sowie einem Mineralienmuseum.
Diese Ausstellung zeigt die technische Seite der Schmuckherstellung, also Gewinnung und Verarbeitung der verwendeten Metalle (in erster Linie Gold, Silber, Platin). Weiter die verwendeten Schmucksteine, deren Vorkommen, Abbau, Bearbeitung, Schliff usw. Auch den Perlen, Perlenfarmen und der Zucht ist ein Raum gewidmet. Als Laie hat man ja gewisse Vorstellungen von Gold, Diamanten, Opalen usw. aber die ganze Wertschöpfungskette mit den handwerklichen Komponenten einmal im Zusammenhang von den Rohstoffen bis zur Verarbeitung beim Goldschmied erklärt zu bekommen war schon außergewöhnlich.
Nach einem ausgedehnten Mittagessen in lustiger und ausgelassener Runde in einer Pizzeria konnten wir uns dem zweiten Programmpunkt widmen, dem Besuch des Schmuckmuseums Pforzheim.
Das Schmuckmuseum Pforzheim im Reuchlinhaus ist ein weltweit einzigartiges Museum, das sich ausschließlich der Geschichte des Schmucks widmet: Rund 2.000 Exponate zeigen Schmuckkunst aus 5.000 Jahren, von der Antike über Renaissance und Jugendstil bis zur Gegenwart.
Schwerpunkte bilden Kleinodien aus der griechischen und etruskisch-römischen Antike, aus der Renaissance und dem Jugendstil. Von hohem Rang sind die umfangreiche Ringsammlung und die wohl einzigartige Kollektion zeitgenössischer Schmuckkunst vom Jugendstil bis Heute. Auch ethnografischer Schmuck sowie eine Taschenuhrensammlung sind zu sehen.
Wir danken Jutta und Michael Schimmele für die Vorbereitung und Organisation dieses gelungenen Ausflugs.
Bernard Kottrup
Gruppenbericht 05-2009
Die Maiandacht der Stuttgarter Stellaner mit Pfarrer Hermann Benz (KSB'48) fand auch diesmal wieder in der St. Johannes-Kirche in der Tübinger Innenstadt statt. Wenn man durch diese quirlige Studentenstadt fährt, kann man es kaum glauben, wie ruhig und behaglich es doch in diesem Alttübinger Stadtteil, gegenüber dem altehrwürdigen Wilhelmsstift, noch zugeht! Unser Stellanerfreund Hermann Zöhrlaut, der seinen Wohnsitz nun schon einige Jahre in Tübingen hat, lädt uns regelmäßig zu dieser schönen Maifeier zu Ehren der Gottesmutter ein - wie früher schon in die Haigerlocher St. Annakirche. Auch diesmal hatten sich wieder zahlreiche Stellaner aus dem Lande eingefunden. In seiner Mai-Ansprache hatte Hermann Benz eine besondere Überraschung vorbereitet. Im Gedenken des Papstes, der sich bekanntlich zeitgleich im Heiligen Land aufhielt, las er uns einige Verse aus der 3.€€Sure des Korans vor, die sich mit Miriam und ihrem Sohn befassen. Wenn man einige Namen übersetzt oder Allah mit Gott gleichsetzt, scheinen diese Texte beinahe wörtliche Zitate aus der Heiligen Schrift zu sein! Als "Stolperstein" erwies sich offenbar erst die von der frühen griechischen Theologie entwickelte "Trinität", also die Lehre von der Dreifaltigkeit Gottes - eine Dogmatik, welche der Islam bis heute strikt ablehnt und als "Irrglaube christlicher Vielgötterei" bekämpft.
Beim anschließenden Beisammensein in den benachbarten Gutenbergstuben konnten die Stellaner ihrem Stuttgarter Obmann, Dago Wollensak, zu seiner kürzlich erfolgten Berufung zum Hauptgeschäftsführer des Kommunalen Arbeitgeberverbands (KAV) von Baden-Württemberg gratulieren. Leider gab es auch eine traurige Nachricht: der langjährige Geistliche Beirat der Stellanergruppe Stuttgart, P. Josef Jaksch SJ, ist soeben, hochbetagt und kurz vor seinem 70. Priesterjubiläum, in Pullach bei München gestorben. Der Caritasverband Stuttgart, dessen Leiter er jahrzehntelang gewesen ist, hat seiner in einem Requiem in der Konkathedrale St. Eberhard dankbar gedacht. Auch die Stuttgarter Stellaner werden ihn in hochschätzender Erinnerung behalten - er möge in Frieden ruhen! Schließlich kam die Rede auch darauf, dass Heiner Geissler (KSB'49), zusammen mit Franzl Sauter (Ex-MdB), seine ehemaligen Klassenkameraden zum 60. Abitursjubiläum im September 2009 nach St. Blasien eingeladen hat. Daraufhin konnte auch Hermann Benz berichten, dass letztes Jahr das Klassentreffen seiner "48er" zum 60. in München stattgefunden hat - ausgerichtet noch von Kado Kreuser SJ (KSB '48), der leider inzwischen verstorben ist. Außerdem wurden in Tübingen jetzt die ersten Programm-Vorschläge für das Stellanerfest 2009 verteilt, das bekanntlich im Oktober in Stuttgart stattfinden wird.
Klaus Dorneich
Gruppenbericht 06-2008
Im Juni 2008 trafen sich die Stuttgarter Stellaner zu einer Führung im Botanischen Garten von Schloss Hohenheim, der heute zur gleichnamigen Universität gehört. Dieser Garten in etwa 5 Hektar Größe wurde bereits 1929, also zehn Jahre nach der Errichtung des Hohenheimer Instituts, halbkreisförmig um das Schlossareal angelegt. Der heute noch vorhandene Altbaum-Bestand des Schlossparks wurde weitgehend noch in der Gründungsphase gepflanzt. Dem "Landwirtschaftlichen Institut" war bereits ab 1820 eine Forstschule angegliedert worden, aus der die bis 1881 in Hohenheim bei Stuttgart ansässige Forstliche Akademie hervorgegangen ist. Forstbotanische Aspekte bei der Pflanzenauswahl fanden so von Anfang an Berücksichtigung, was sich noch heute im Schlosspark abzeichnet. So gehören zu den auffälligsten Baumgestalten am westlichen "Koniferenweg" immer noch Mammutbäume (Wellingtonie), deren Saatgut noch von König Wilhelm I. von Württemberg ab 1864 eingeführt worden war. Die Saat wurde damals in den Kalthäusern der "Wilhelma" ausgesät und die entstehenden Jungpflanzen vor allem an die württembergischen Forstämter verteilt, um sie auf ihre Anbau-Fähigkeiten zu prüfen.
Alle jetzt über 140 Jahre alten Bäume sind nach wie vor prächtig anzusehen und erfreuen jeden Besucher des Gartens. Im sog. "Feld B" befand sich von 1868 - 1976 auch das Zentrum der sog. Botanischen System-Anlage. Neben einem Tulpenbaum überrascht besonders eine Kobushi-Magnolie und eine Tulpenmagnolie im Frühlingsflor des Gartens.
Interessant ist auch, dass bei der Auswahl des Waldstreifens vorzugsweise Baum- und Strauch-Arten aus Nordamerika bevorzugt worden waren - der im Vergleich zu Europa größere Artenreichtum der amerikanischen Wälder geht offenbar auf die Nord-Süd-Ausrichtung der dortigen Gebirge und auf bessere "Wanderbahnen" während des Eiszeitalters zurück - noch heute sichtbar an der prächtigen Herbst-Färbung in Rot-Gelb-Braun-Tönen der verschiedenen Ahorn-Bäume von dort.
Ein besonderes Anliegen des Hohenheimer Botanischen Gartens ist die Erhaltung gefährdeter Arten, sind doch heute in Deutschland bereits ein Viertel aller
Pflanzenarten in ihrem Bestand gefährdet! Dabei ist jedoch zu beachten, dass es dabei mit einer biotopartigen Garten-Nachzucht nicht getan ist, müssen doch die gefährdeten Pflanzen auch unter den weniger bevorzugten Bedingungen der freien Natur überleben können. Andererseits wurden Zierpflanzen schon seit der Antike kultiviert und in unzähligen Sorten jahrhundertlang vervollkommnet. Ebenso wie Bauwerke oder Kunstwerke verdienen diese Pflanzen einen Schutz - hier bilden botanische Gärten für kultivierte Pflanzen die richtigen Bedingungen und sind vielfach die letzten Reservate. Deshalb hat Hohenheim auch eine Samenaustauschliste mit ca. 1500 Arten an Hunderte von anderen Botanischen Gärten in aller Welt verschickt, so dass dadurch die Zahl der Freilandpflanzen durch Tausch und Aufzucht von 1150 auf 5000 erhöht werden konnte. or genau 150 Jahren verhalf Darwin dem Gedanken einer Evolution der Lebewesen zum Durchbruch. So ist nach der Jahrhundertwende ein Phylogenetisches System entworfen worden, dem, neben den morphologischen Merkmalen, in neuester Zeit auch palinologische (Pollen) oder chemotaxonomische (Inhaltsstoffe) Merkmale herangezogen werden konnten.
Eine besondere Attraktion des "Hohenheimer Gartens" sind auch die Heilpflanzen der Äbtissin Hildegard von Bingen (1098-1179). Über hundert Heilpflanzen aus ihrem Garten, die unter dem Namen "Causae et curae" bekannt geworden sind, können heute noch besichtigt werden. Ihre Wirksamkeit als Medikamente sind z. T. durch Beobachtung, z.T. aber auch durch ihr Aussehen festgestellt worden. Beobachtung, Mystik und Spekulation waren im Zeitalter der Äbtissin wohl die Grundlage ihrer Heilpflanzen. Ebenso wie schon 350 Jahre früher im Hortulus des Reichenauer Abtes Walahfrid Strabo niedergelegt,
handelte es sich auch um eine Sammlung von Gartennutz- und Färbepflanzen, also nicht nur um eine reine Heilpflanzensammlung, ungeachtet der bereits festgestellten zehn Giftpflanzen-Arten - "Dosis fiat venenum"!
Spannend ist auch die Geschichte der ökologischen Entwicklung Mitteleuropas. Im Bereich des "Fruchtbaren Halbmonds" im Nahen Osten, im Zweistromland von Euphrat und Tigris und in der (heutigen) Türkei wurden seit fast 10.000 Jahren bereits Wildtiere gezähmt und gezüchtet, ebenso auch Wildpflanzen gesammelt und planmäßig angebaut. 2500 bis 2800 Jahre später kamen diese Techniken auch nach Europa, seit den Anfängen des Neolithikums und der Bronzezeit. Durch Rodung, Ackerbau und Viehzucht griff der Mensch seither immer stärker in die Natur ein. Einige dieser Schritte wurden auch im Botanischen Garten dargestellt. Auenwaldstreifen, Abholzung zur Verhüttung von Erzen spielten eine Rolle, bis hin zum Umbau der Waldgesellschaften und ein Herabdrücken der alpinen Waldgrenze infolge der Almwirtschaft. Das bekannteste Beispiel in Süddeutschland sind die (noch heute bestehenden) Fichten- und Tannen-Kulturen, die von den Holz-Flössern im Schwarzwald angebaut wurden, um die seit dem 17. Jahrhundert ständig steigende Nachfrage aus den Niederlanden nach schnellwachsendem Schiffsholz und Mastbäumen befriedigen zu können. Einzelheiten hierzu werden im Garten in verschiedenen "Rodungsinseln" dargestellt, z.B. aus der Bronzezeit mit ihren verschiedenen
Getreidearten (Emmer, Dinkel und Einkorn). Natürlich fehlen auch die Römer nicht, denen wir eine Reihe von Gewürz- und Salatpflanzen zu verdanken haben, ebenso wie die Einführung neuer Obstarten und den Wein-anbau. Seit der Römischen Kaiserzeit kennen wir die Aprikose, die Walnuss und die Esskastanie - schließlich hatte ja schon Julius Caesar in seinem "Bellum Gallicum" (58-50 v. Chr.) die Landschaften Westeuropas so außerordentlich eindrucksvoll beschrieben .
Also ein Naturerlebnis allerbester Sorte, das einst (1778) mit der "dörflichen Idylle" begonnen hatte, in deren Verlauf Herzog Carl Eugen (der bekanntlich dem "Schiller Fritz" so zugesetzt hat) mit seiner Mätresse (und späteren Gemahlin), Franziska von Hohenheim, "aufs Land" gezogen war, um auch von dort den "Landesvater" in Württemberg spielen zu können. All diese Kenntnisse haben wir natürlich vor allem dem kundigen Gartenführer zu verdanken, der "seinen Garten" von Schloss Hohenheim kompetent und voller Leidenschaft vorzeigen konnte. Dank für alles aber auch dem Stuttgarter Obmann, Dago Wollensak, der diese Führung durch den Botanischen Garten organisiert hatte. Der schöne Frühlingstag im blühenden Hohenheim klang dann traditionell wieder mit einem gemeinsamen Imbiß im Schlossgarten aus.
Klaus Dorneich
Gruppenbericht 05-08
Wie nun schon einige Jahre üblich, trafen sich die Stuttgarter Stellaner mit ihren Angehörigen zur Maiandacht in Tübingen. Unser Altschüler, Pf. Hermann Benz (KSB'47), ermöglichte es, gemeinsam mit uns diese Maiandacht in St. Johannes in der Tübinger Innenstadt zu feiern. In seiner Ansprache wies er darauf hin, dass unser Kirchenpatron, der Apostel Johannes, der Lieblingsjünger Jesu, sich nach dem Tode Christi um seine Mutter gekümmert und mit ihr nach der Apostelgeschichte in der klein-asiatischen Hafenstadt Ephesus der Hauptstadt der römischen Provinz Asia Minor, gelebt hat. Dort wird noch heute die "domus Mariae" gezeigt - wie alle Türkeifahrer wissen, die auf den Spuren der Apostel durch Anatolien gereist sind. Das gemeinsame "Salve Regina" in Tübingen klang noch fast so frisch, wie es damals bei den unvergesslichen Maiandachten in St. Blasien von den jungen Kollegianern gesungen wurde.
Beim anschließenden Zusammensein in den benachbarten "Gutenberg-Stuben" kam es zu einem lebhaften Gedankenaustausch - natürlich gewürzt mit allerhand Anekdoten am Rande. So berichtete unser Freund Winfried Adler (KSB'58) weitere Einzelheiten vom Abitreffen zum 50., das bekanntlich in Rom stattgefunden hat (siehe StID 332!). Eingeladen war auch der dortige Altschüler und Jesuit Eberhard von Gemmingen (KSB'55), dem das Treffen mit seinen ehemaligen Schulkameraden aus St. Blasien offensichtlich große Freude bereitete. Ferner berichtete Stellaner-Präsident Konstantin Knecht, der ja inzwischen wieder seinen Wohnsitz in Stuttgart hat, interessant über seine gegenwärtige berufliche Tätigkeit, die ihn und sein Team als "Konflikt-Berater" mit vielen Betrieben und Organisationen quer durch die Bundesrepublik in Kontakt bringt.
Der Berichterstatter, gerade erst von einer längeren Reise in Amerika zurückgekehrt, erzählte seinerseits über das erstaunlich positive Echo, das der ("German-born") Papst bei seiner kürzlichen Pastoralreise in Washington und New York im April ausgelöst hat. Presse und TV haben das Ereignis dort ausgiebig kommentiert ("Pope of Hope") und auch die feinen Unterschiede zu seinem Vorgänger hervorgehoben. Sehr positiv aufgenommen wurde in der Öffentlichkeit, dass der Papst den zum Teil skandalösen Vorfällen innerhalb des amerikanischen Klerus energisch entgegengetreten ist - unter Einbeziehung von Missbrauchsopfern und auch von Kirchenleitungen, sofern die Aufsichtspflicht von kath. Bischöfen und sogar Kardinälen verletzt worden war. Die klaren Aussagen von Benedikt XVI. zum modernen Christsein, einer vernünftigen Religiosität und den ethischen Grundwerten (UNO) haben im pragmatischen Amerika, "der größten pluralistischen Gesellschaft", große Beachtung, auch bei der Jugend, gefunden. Die Verluste an Kirchenmitgliedern werden in den USA übrigens immer noch durch die starke Einwanderung aus Lateinamerika ausgeglichen.
Für Heiterkeit sorgte schließlich auch Pater von Gemmingen: Da er nach seiner langjährigen und unvergessenen Tätigkeit bei Radio Vaticana heute gewöhnlich im römischen Straßenverkehr mit einem Motor-Roller unterwegs ist, brach er mit diesem gegen Mitternacht auf, vergaß aber, dass er das wertvolle Fahrzeug natürlich angekettet hatte. Nur nach großem Bemühen der anwesenden Stellaner konnten er und sein Roller schließlich von der verhaspelten Kette befreit werden - Rom hat nun einen anderen großen Glaubensstreiter "in vinculis" aufzuweisen!
Klaus Dorneich
Gruppenbericht 12-07
Zur Immaculata-Messe im Dezember 2007 hatten sich die Stuttgarter Stellaner eigentlich wieder mit ihrem Schulfreund Pf. Hermann Benz (KSB '47) verabredet, doch musste dieser wegen einer dringenden Romreise kurzfristig absagen. Wenn halt "der Chef in Rom" ruft, können solche Pläne schon mal ganz schnell durcheinander geraten! Dennoch war es eine schöne, adventliche Messfeier in der Christkönigskirche zu S-Botnang, diesmal von einem polnischen Geistlichen als Aushilfe zelebriert.
Beim anschliessenden tradionellen Zusammensein in der Gaststätte "Himmerreich" wurde es im kleinen Kreis noch sehr unterhaltsam und interessant. Vor allem der wunderschöne adventliche Schmuck des Nebenzimmers trug zur feierlichen Stimmung des Abends bei. Im Mittelpunkt der Unterhaltung unter Freunden stand natürlich der überraschende Heimgang von Karlheinz Kromer (1925 - 2007), der erst vor wenigen Tagen gestorben ist und den meisten der Anwesenden auch persönlich bekannt war. Im Laufe seines langen Lebens (82) ist er immerhin zweimal Präsident der Stellaner-Vereinigung in verschiedenen Epochen gewesen - für ihn waren die Stellaner immer ein Teil seines Lebens und wenn er von den Stellanern gebraucht wurde, hat er sich nie versagt! Unsere Anteilnahme gilt natürlich in erster Linie seiner Gattin Margret in Bad Homburg, aber auch seinem Sohn Ulrich Kromer von Baerle, der heute in Stuttgart als Chef der Neuen Messe am Flughafen tätig ist.
Der Berichterstatter erzählte u. a. von einer kürzlichen Gruppenreise in den türkischen Teil von Zypern, der im Westen noch so gut wie unbekannt ist. Sehr zu Unrecht, denn es gibt dort noch unglaubliche Erinnerungen an eine vielfältige Vergangenheit von Römern, Byzantinern, Kreuzfahrern, fränkischer Feudalherrschaft, Venzianern, Osmanen und Briten, die alle nacheinander auf der "Kupferinsel Kypros" geherrscht haben. Nach ihrer Invasion von 1974 mussten die Türken allerdings erfahren, dass ihr rigides Atatürk-System (Nationalismus gepaart mit Militarismus) heute selbst von den türkischen Zyprioten abgelehnt wird, wollen diese doch nicht noch einmal die Eintrittskarte in die EU verpassen, seit der UN-Plan einer zypriotischen Konföderation aller Bevölkerungsgruppen vor zwei Jahren von den griechischen Zyprern angesichts der starken Militärpräsenz im Norden abgelehnt worden war. Für die Türkei wird Zypern somit ein spannender "Testfall ihrer Europa-Fähigkeit" werden.
Aus vergangenen Tagen berichtete Guido Fleischer einige launige Einzelheiten von einer denkwürdigen Reise zum Stellaner-Kongress in Spanien, als er - zusammen mit Felix von Streng, dem damaligen Präsidenten der Schweizer Stellaner-Vereinigung - in Barcelona in letzter Sekunde den Anschlusszug nach Valencia verpasst hatte und beide nun mangels Reservierungsplatz im Folgezug nur durch eine zufällig zusteigende spanische Altschülerfamilie mit drei heranwachsenden Töchtern (!) vor dem Rauswurf bewahrt worden waren. Dago Wollensak erzählte seinerseits Einzelheiten von seiner Tochter Donata (18), die gerade ein ganzes Schuljahr in China beendet hat und mit den dortigen Eindrücken noch immer voll beschäftigt ist. Offenbar ist China inzwischen ganz anders als vor über 20 Jahren, als Hermann Zöhrlaut von dort einen jungen Mann nach Haigerloch brachte, um ihm in Deutschland eine Brauerei-Ausbildung zu ermöglichen, die jener allerdings als "viel zu anstrengend" vorzeitig abgebrochen hat, wie Hermann sich noch heute erinnerte!
Diskussionsstoff bot freilich auch das "Arrupe-Jahr 2007", das im Baskenland natürlich besonders begangen worden ist. Der vor hundert Jahren in Bilbao geborene, 28. Jesuitengeneral (1965 - 1983) ist heute noch immer unvergessen, sind doch damals die Auswirkungen seiner "Kultur-Revolution" bis hin zu den deutschen Kollegien zu spüren gewesen. Der gerade aus Japan (Hiroshima!) zurückgekehrte und auf der 32. Generalkongregation in Rom neugewählte Jesuitenobere hatte zu einer radikalen Umkehr und Verpflichtung seines Ordens für Glaube und Gerechtigkeit in einer Weise aufgerufen, die bis dahin unerhört gewesen ist. Dies hat ihm allerdings nicht nur Zustimmung eingebracht, und als fast 50 ermordete Mitbrüder und zahllose Austritte aus dem Orden zu beklagen waren, sah sich der Heilige Stuhl bekanntlich zur Intervention genötigt. Nach einem Schlaganfall ist Pater Pedro Arrupe schliesslich 1983 zurückgetreten, um seinem Nachfolger Peter-Hans Kolvenbach (1983 - 2007) auf der 33. Generalkongregation Platz zu machen (vgl. auch P.M. Lamet: Pedro Arrupe, una explosión en la Iglesia, Madrid 1989 und Arrupe, un profeta del siglo XXI, Madrid 2002). Im Januar 2008 wird eine weitere Generalkongregation erneut einen Ordensoberen der Jesuiten zu wählen haben, doch die Nachwirkungen aus dem Generalat Arrupe sind in Rom (Sobrino!) noch immer zu spüren ...
Also ein lebhafter und interessanter Meinungstausch, der auch von den anwesenden Damen in der schönen adventlichen Umgebung zum Jahresende in Stuttgart immer besonders geschätzt wird.
Klaus Dorneich
Gruppenbericht 02-07
Vor 50 Jahren war der italienische Transatlantik-Liner "Andrea Doria", das Flaggschiff der italienischen Handelsmarine, auf der Fahrt von Genua nach New York um Mitternacht von einem schwedischen Passagierdampfer, der "Stockholm", im Nebel gerammt worden. Über fünfzig Menschen kam bei dieser nächtlichen Havarie ums Leben, doch konnte der Großteil der Passagiere in einer dramatischen Rettungsaktion gerettet werden. Nach zehnstündigem Todeskampf ging die "Andrea Doria" dennoch unter und liegt seither in 70 m Tiefe vor der Küste Amerikas - bis heute ein beliebtes Ziel von Tiefsee-Tauchern, von denen allerdings bereits 14 dabei ihr Leben lassen mussten ...
Als einziger Deutscher ist damals der frischgebackene Volkswirt Klaus Dorneich (KSB '49) auf dem italienischen Schiff nach New York (und zu seiner ersten Arbeitsstelle in Mexico) unterwegs gewesen. Er und seine Frau Hilly, die er kurz darauf in Guatemala kennen gelernt und geheiratet hat, waren nach einem halben Jahrhundert, im Juli 2006, zum 50. Jahrestag der maritimen Katastrophe in die weitläufige Akademie der US Handelsmarine in Kings Point auf Long Island (NY) eingeladen worden. Dort hatten sich die Überlebenden von 1956 mit einem aufwendigen Programm - darunter auch eine Simulation des nächtlichen Zusammenstoßes im Nebel - versammelt, 62 an der Zahl, mit ihren Angehörigen etwa 200 Personen. Am 13. Februar 2007 berichtete Klaus jetzt vor den Stuttgarter Stellanern über seine Eindrücke von dieser Reise. Denn seit 2005 hat er sogar ein Drehbuch über den Untergang entwickelt, das er bei der "Survivors' Reunion" von Long Island in Form einer Diashow vorstellen konnte und die er jetzt auch den Stellanern und ihren Angehörigen in Stuttgart gezeigt hat.
Inzwischen hat dieses Projekt einige Aufmerksamkeit erfahren. Dennoch wird es noch einige Zeit bis zur Realisation seines Spielfilms - "S-O-S um Mitternacht, der Untergang der Andrea Doria" - dauern, denn dieser Film muss sich natürlich auch mit dem "Titanic"-Film von 1998 vergleichen lassen. Der 50. Jahrestag des Untergangs im Juli 2006 fand aber auch in Deutschland ein großes Medieninteresse, viele Tageszeitungen und maritime Zeitschriften zwischen Kiel und Konstanz haben die Augenzeugenberichte von Klaus Dorneich veröffentlicht und über das Filmprojekt berichtet. Auch das Fernsehen hat ihn immer wieder vor die Kamera gebracht. Dieses und viele weitere interessante und bewegende Einzelheiten der damaligen Erlebnisse konnte er nunmehr im Stellanerkreis berichten, wo er aufmerksame Zuhörer fand. Die Stuttgarter Stellaner bedankten sich deshalb herzlich bei dem Referenten aus den eigenen Reihen - die anwesenden Damen versprachen sogar, bei der Premiere unbedingt dabei sein zu wollen.
Bernard Kottrup
Gruppenbericht 01-06
Zur Immaculata-Messe 2005 versammelten sich die Stuttgarter Stellaner am 13. Dezember wieder mit dem ehemaligen Kollegianer aus St. Blasien, Pfarrer Hermann Benz (KSB '48), der seit seiner Rückkehr aus Südafrika und seiner jetzigen Aufgabe als Geistlicher Beirat von Pax Christi in unserer Diözese immer wieder mal Zeit für die Stellaner findet. Diesmal allerdings nur im kleinen Kreis in der Hauskapelle des Stuttgarter Marienheims. Seine Ansprache galt neben der Gottesmutter auch dem Rückblick auf den liturgischen Advent, den die Kirche offenbar erst ab dem 7. Jahrhundert in den Kanon der Messe aufgenommen hatte, denn statt des Weinachtfestes wurde bis dahin zunächst nur der Auferstehung Christi im Osterfest gedacht.
Dennoch war der 25. Dezember schon in der Antike bekannt: vor allem im Reich der Pharaonen in Ägypten bei den Riten der Sonnwendfeiern und bei den Römern zu Ehren des "sol invictus".
Beim anschließenden gemütlichen Beisammensein zum Jahresausklang berichtete Pfarrer Benz, wie sehr ihn Südafrika noch immer beschäftige, so dass er fast täglich Kontakt zu seiner ehemaligen Gemeinde und den schwarzen Missionsschulen in Kimberley habe. Dabei sei es anfangs gar nicht selbstverständlich gewesen, dass auch katholische Priester in Südafrika tätig werden durften, sind doch die afrikanischen Buren traditionell noch immer strenggläubige Kalvinisten und auch die Engländer mit ihrer Londoner Missionsgesellschaft haben lange Zeit nur anglikanische Geistliche ins Land gelassen. Das "Königreich Lesotho" galt jedoch als autonomes Homeland mit überwiegend katholischer Bevölkerung und bemühte sich schon frühzeitig und erfolgreich um katholische Missionspfarrer. Auch heute ist der Weg über Lesotho offenbar noch immer der leichteste. Bei den einheimischen Stämmen dort sei es beim offiziellen "Palaver" üblich, dass die Vertreter des Volkes im Sitzen sprechen dürfen, wenn aber der Stammesälteste (Häuptling) redet, erhebt sich alles, um der Autorität die Ehre zu geben.
Im übrigen berichtete Hermann Benz der anwesenden Stellanerin (Claudia Ewerke, KSB '92) und den anderen Stellanern von der Schülerzeitschrift "Kehilwenyane" aus Ngwanaatsele, die als Monatsschrift in der Sprache der Zulus auf 20 Druckseiten für die Schüler im Umkreis von Mafikeng herausgebracht wird, übrigens zu 3 Rand pro Heft! In der aktuellen November-Ausgabe war u. a. der Ortsbischof Erwin Hecht OMI, der ursprünglich aus der Diözese Rottenburg-Stuttgart stammt und seit über dreissig Jahren in Südafrika tätig ist, mit einem Editorial in Englisch zu Wort gekommen. Im Jahr 2006 werde anläßlich der Fußball-Weltmeisterschaft natürlich ganz Deutschland und besonders Stuttgart auch bei den jungen Afrikanern aus Südafrika im Zentrum des Interesses stehen. Also ein schöner und informativer Stellanerabend, der mit einer feierlichen Messe zu Ehren der Gottesmutter begonnen hatte.
Klaus Dorneich
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