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STELLANER
 
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Stellaner Steckbriefe

Philipp Freiherr von Boeselager

Er ist der letzte überlebende Zeuge aus der Widerstandsgruppe um General Henning v. Tresckow, einer der Soldaten, die am gescheiterten Umsturz des 20. Juli 1944 beteiligt waren.
Philipp Freiherr v. Boeselager vereint viele Tugenden in sich. Offenheit, Geradlinigkeit und nicht zuletzt einen aufgeklärten Katholizismus, der durch jesuitische Erziehung ausgeformt wurde.
In den ersten Weltkrieg hineingeboren am 6. September 1917, die Kindheit in der Weimarer Republik. "Politisch waren meine Eltern im Weimarer Staat nicht zu Haus. Das Zentrum war zu spießig und die Deutschnationale Partei zu protestantisch." In der Familie von Boeselager war die Erinnerung daran noch wach, dass unter Bismarck die Ultramontanen - die ‚romhörigen’ Katholiken - Bürger zweiter Klasse waren. Da hatte es schon fast demonstrativen Charakter, sein Kind auf eine Jesuitenschule zu schicken. Es war der Winter 1928, an dem der Quintaner v. Boesellager vor der Stella Rheni in Bad Godesberg stand. Es schneite, der kleine v. Boeselager fror in seinem dünnen Lodenmäntelchen und die neuen Mitschüler, die auf der Wiese vor dem Gebäude Schlitten fuhren, beachteten ihn nicht. Es dauerte ein paar Wochen bis er sich eingelebt hatte, dann aber war er voll akzeptiert. "Ich habe immer sehr viel Unsinn gemacht, das half wohl auch", schmunzelt der heute 84jährige. Beliebteste Opfer waren die in der Nachbarschaft des AKO lebenden Nonnen. "Deren Kühe haben wir öfter mal nachts leergemolken, am Morgen gab’s bei denen dann keine frische Milch.". Glück hatte man, wenn das der Rektor der Schule nicht mitbekam. Ein hochdekorierter Offizier aus dem 1. Weltkrief, der die Schüler gerne an den Wahlspruch der Einrichtung erinnerte: Deo, Patriae, Vitae, für Gott, fürs Vaterland, fürs Leben. Schon früh machten die Jesuiten die Schüler skeptisch gegenüber den jeweiligen Regierenden. Zwei Episoden schildert v. Boeselager besonders gerne. Bis 1928 waren große Teile des Rheinlands noch französisch besetzt. Wirtschaftliches Chaos, verursacht auch durch die täglich ausgeführten Reparationsleistungen, quälten die Bevölkerung. Am eigenen Leib erfuhr die Familie die Repressionen bitter, als die Eltern nicht zur Beerdigung der Großmutter fahren durften. Die Franzosen hatten die Einreise in die französische Zone verweigert. Da wurde es von den Schülern bejubelt, daß einer ihrer Patres das Deutschlandlied intonierte. Das zu singen war zwar den Deutschen verboten, aber Pater Seelen war Holländer und konnte deswegen nicht bestraft werden.
Wer konnte damals ahnen, daß auf die Franzosen die Nationalsozialisten folgen würden. Was mit Schmierereien auf dem Sockel des Schulgebäudes begann, "Raus mit den schwarzen Juden", endete schließlich mit der Emigration des Kollegs nach Holland.
Philipp v. Boeselager wurde schon früh vom Nationalsozialismus kuriert. 1934 hatte er sich mit Freunden aus dem Internat zum Rheinhotel Dreesen geschlichen. Man wollte sich den dort wohnenden Hitler mal aus der Nähe ansehen. Die Jungen wurden von der SS geschnappt und in eine Garage eingesperrt, für 24 Stunden. Schlimmer als die Angst vor den Wachen, so von Boesellager, war die Angst vor den Internatsleitern. Um so größer die Überraschung, als sich die Schüler am nächsten Tag wieder zurück ins Internat stahlen und niemand ihr Fehlen bemerkt hatte.
Die Nachricht über den Röhmputsch hatte den Streich unbemerkt gelassen.

Weitere Informationen über Philipp Freiherr von Boeselager im Internet unter
http://www.kreis.aw-online.de/kvar/VT/hjb1994/hjb1994.13.htm
dort Auszüge v. Antonius John: 20. Juli 1944 - Das Gewissen steht auf. Philipp Freiherr von Boeselager und der militärische Widerstand.

Fragen an den Altschüler:
Dipl. Volkswirt Philipp Freiherr von Boeselager, Forstunternehmer verheiratet, 4 Kinder

Welche Erfahrung haben Sie mit der jesuitischen Erziehung gemacht?
"Ich habe gelernt, gründlich nachzudenken bevor ich einen Entschluss fasse. Wenn ich diesen Entschluss allerdings einmal gefasst habe, setze ich ihn gegen alle Widerstände um."

Wie hat jesuitische Erziehung Ihren weiteren Lebensweg geprägt?
"Sie hat mir ein Selbstvertrauen gegeben, dass darin begründet lag, mich immer in der Hand Gottes sicher zu fühlen."

Inwieweit fließt Ihr schulische Ausbildung in Ihre tägliche Arbeit ein?
"Ich habe gelernt, auch im Umgang mit anderen konzentriert und zielorientiert zu sein."